Protest der Tagesmütter: Existenzängste im Rems-Murr-Kreis!

Tagesmütter im Rems-Murr-Kreis protestieren gegen existenzbedrohende Kürzungen und neue Bestimmungen ab 2026.

Tagesmütter im Rems-Murr-Kreis protestieren gegen existenzbedrohende Kürzungen und neue Bestimmungen ab 2026.
Tagesmütter im Rems-Murr-Kreis protestieren gegen existenzbedrohende Kürzungen und neue Bestimmungen ab 2026.

Protest der Tagesmütter: Existenzängste im Rems-Murr-Kreis!

Die Situation für Tageseltern im Rems-Murr-Kreis wird zunehmend angespannter. Edyta Slivar, eine erfahrene Tagesmutter aus Fellbach, betreut täglich vier Kleinkinder im Alter von ein bis zwei Jahren. Nach einem Ausflug in den Park bei der Schwabenlandhalle kehren die kleinen Gäste hungrig zurück, doch das Mittagessen ist bereits vorbereitet: Linseneintopf, Pfannkuchen und frisches Obst aus biologischen Zutaten stehen auf dem Speiseplan. Dennoch ist die Freude über ihre Arbeit gedrückt. Die neuen Bestimmungen, die ab Januar 2026 in Kraft treten, sorgen nämlich für Unruhe. Nach diesen Regelungen wird es kein Pflegegeld mehr für Tagesmütter geben, wenn sie krank sind oder sich im Urlaub befinden. Bisher erhielt Slivar auch während solcher Ausfallzeiten Unterstützung, was sich nun drastisch ändern könnte. Stuttgarter Zeitung berichtet, dass diese neuen Regelungen von vielen Tageseltern als existenzbedrohend wahrgenommen werden.

Nun sind Slivar und hunderte ihrer Kolleg:innen auf die Straße gegangen. Sie protestieren vor dem Landratsamt in Waiblingen gegen die befürchteten Kürzungen, die nicht nur die Tagespflegepersonen, sondern auch die Eltern hart treffen könnten. Denn ab 1. Oktober 2025 müssen Eltern für die Eingewöhnung eines Kindes bei einer Tagespflegeperson selbst aufkommen. Zudem gilt für Kinder ab drei Jahren: Ein Nachweis, dass kein Kita-Platz verfügbar ist, wird erforderlich, um eine Tagespflege in Anspruch nehmen zu können. Diese zusätzlichen Hürden belasten viele Familien und gefährden die Existenzen der Tageseltern, die meist flexibel und individuell auf die Bedürfnisse unter Dreijähriger eingehen.

Protest gegen drohende Einsparungen

Die Unzufriedenheit ist groß und die Stimmen der Tageseltern werden von Tag zu Tag lauter. Jessica Weindl, eine Kollegin von Edyta, hat sogar eine Petition gestartet, um gegen die drohenden Kürzungen zu protestieren. Sie warnt, dass die geplanten Einsparungen auf Kosten der Qualität der Betreuung und der finanziellen Sicherheit der Tagespflegepersonen gehen könnten. Viele Tageseltern fühlen sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen und sehen sich in ihrer Existenz bedroht. ZVW zeigt auf, dass der Landkreis bereits in der Vergangenheit den finanziellen Rahmen der Tagespflege häufig nicht ausreichend gewürdigt hat.

Wie steht es um andere Regionen? Auch anderswo in Deutschland haben Tageseltern ähnliche Probleme. In Köln, beispielsweise, kämpfen viele Tageseltern seit Monaten für bessere Bedingungen und eine faire Bezahlung. Der Verein Kölner Kindertagespflege hat die niedrige Wertschätzung der Arbeit lautstark kritisiert, da das Gehalt von nur 5,35 Euro pro Kind und Stunde kaum zum Leben reicht. Letztlich sind es insbesondere die Mieterhöhungen und finanziellen Unwägbarkeiten, die das Aus für viele Tagesmütter bedeuten.

Dringender Handlungsbedarf

Die neue Regelung im Rems-Murr-Kreis könnte also nicht nur zur Schließung vieler Tagespflegen führen, sondern auch zu einem weiteren Rückgang der ohnehin schon besorgniserregenden Zahl von Betreuungspersonen. Denn viele Tageseltern, wie die 57-jährige Andrea S. aus Köln, haben bereits aufgegeben – trotz ursprünglicher Pläne, mit viel Enthusiasmus und frischen, regionalen Zutaten für ihre Schützlinge zu kochen. Ihr Rückzug steht stellvertretend für die vielen, die unter den wirtschaftlichen Druckbedingungen leiden, während sie gleichzeitig eine unverzichtbare soziale Aufgabe erfüllen. WDR spricht hier von einer Entwicklung, die weit über die Grenze seiner Stadt hinausgeht und auch in anderen Teilen Deutschlands spürbare Auswirkungen hat.

Die Unruhe unter den Tageseltern ist nicht länger zu ignorieren. Das Thema „Wertschätzung von Fachkräften in der frühkindlichen Betreuung“ ist dringend nötig und sollte in den politischen Diskurs einfließen. Wenn nicht bald Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation der Tagespflegepersonen zu verbessern, könnte es zu einem massiven Rückgang der Angebote für Familien kommen, die auf diese flexible Form der Kinderbetreuung angewiesen sind.