S-Bahn-Pünktlichkeit auf Rekord-Tief: Woran liegt das Desaster?
Stuttgart: Neue Pünktlichkeitsdaten der S-Bahn 2025 zeigen Verschlechterung. Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs angekündigt.

S-Bahn-Pünktlichkeit auf Rekord-Tief: Woran liegt das Desaster?
Was zum Thema Pünktlichkeit der S-Bahn in Deutschland? Diese Frage beschäftigt nicht nur Bahnreisende in Baden-Württemberg, sondern zieht auch Aufmerksamkeit auf die aktuelle Situation. Laut der Fahrgastbefragung 2023 wurde die Pünktlichkeit der S-Bahn mit einer soliden Schulnote von 3,6 bewertet. Das klingt zwar passabel, doch die Pressemitteilung der Deutschen Bahn (DB) verwischt diese Einschätzung: Fast alle Werte haben sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, abgesehen von der Sauberkeit der Züge, die erfreulicherweise stabil geblieben ist. Unter anderem berichten die Spezialisten von Kontext, dass die Mehrheit der beurteilten Werte unter dem angestrebten Ziel von 2,5 liegt.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung der Pünktlichkeit in den letzten Jahren. Ein Tiefpunkt wurde im November 2023 erreicht, als die Pünktlichkeit von nur noch 56,6 Prozent bei der Drei-Minuten-Regel deutlich hinter dem angestrebten Zielwert von 94,5 Prozent zurückblieb. Dieser Trend zeigt sich bereits seit einem Jahrzehnt und lässt die S-Bahn als zunehmend unzuverlässig erscheinen. Immerhin haben in 2024 nur noch 73,4 Prozent der S-Bahnen weniger als drei Minuten Verspätung, was im Vergleich zu 2013, als es noch 86,2 Prozent waren, einen dramatischen Rückgang darstellt.
Die Folgen der Unzuverlässigkeit
Was könnte hinter dieser Unzuverlässigkeit stecken? Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder verwendet wird, ist die „Pofalla-Wende“. Dieser Begriff geht auf Ronald Pofalla zurück, der von 2017 bis 2022 für die Infrastruktur der Bahn zuständig war. Der Bundesrechnungshof thematisiert ebenfalls die weitreichenden Probleme und Herausforderungen, die seitdem nicht gelöst werden konnten.
Der Blick in die Zukunft könnte positiv ausfallen, wenn man die neuen Initiativen der Deutschen Bahn berücksichtigt. So wurde 2023 das Programm „SB² – Bauen im Takt“ ins Leben gerufen, welches das Ziel verfolgt, Fahrbetrieb und Bauarbeiten besser in Einklang zu bringen. Dies soll die Stabilität des gesamten Bahnbetriebs trotz hohem Baubedarf erhöhen. Implementiert werden standardisierte Sperrzeiten, die auch „Container“ genannt werden, sowie ein getakteter Produktionsstandard für Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen. Die ersten Erfolge sind bereits absehbar: Über 80 Prozent der Instandhaltungsarbeiten wurden von Juli bis Dezember 2024 taktkonform durchgeführt.
Aussichten auf Besserung
Für das Jahr 2025 ist eine Erweiterung des Container-Takts auf acht Wochen geplant, vor allem auf Strecken mit guten Anlagenzuständen. Die Bahn plant zudem eine zeitliche Einkürzung der Instandhaltungs-Container von acht auf sieben Stunden. Das Ziel ist klar: die dauerhafte Erhaltung der Anlagen in einem guten Zustand und höhere Planbarkeit für die Eisenbahnverkehrsunternehmen sollen durch spezielle Invest-Container erreicht werden, die ab 2027 in die Netzplanung integriert werden sollen.
Mit all diesen Anstrengungen könnte sich vielleicht doch noch eine Besserung in der Pünktlichkeit zeigen. Das Kundenfeedback wird entscheidend sein, um herauszufinden, ob die Bemühungen der Deutschen Bahn auf fruchtbaren Boden fallen: Statista zeigt in seinen Daten von 2019 bis 2024, dass das Thema Pünktlichkeit eine der wichtigsten Stellschrauben für die Akzeptanz der Bahn bei den Reisenden darstellt. Die Herausforderungen sind groß, aber vielleicht hat die Deutsche Bahn in Zukunft ein gutes Händchen, um die Pünktlichkeit wieder hoch im Kurs zu bringen.