Aalens marode Kanäle: Gefährdet die Sanierung unsere Abwassergebühren?
Aalen steht vor großen Herausforderungen bei der Sanierung seines Abwassernetzes. Höhere Gebühren drohen, um 33,6 Millionen Euro Schäden zu beheben.

Aalens marode Kanäle: Gefährdet die Sanierung unsere Abwassergebühren?
Was ist da los in Aalen? Die Stadt sieht sich einem gewaltigen Sanierungsbedarf im Bereich des Abwassersystems gegenüber. Rund 450 Kilometer Kanalnetz bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen, denn mehr als 40% der Kanäle sind älter als 50 Jahre und dringlich sanierungsbedürftig. Oberbürgermeister Frederick Brütting ließ in der letzten Sitzung des Betriebsausschusses der Stadtwerke verlauten, dass die derzeitigen jährlichen Investitionen von rund zwei Millionen Euro nicht ausreichen, um die Probleme nachhaltig zu lösen. Dies könnte möglicherweise zu einer Gebührenerhöhung führen.
Die Kosten für die Sanierung sind enorm: Die Schäden in den Kategorien 0 (sofortiger Handlungsbedarf) und 1 (kurzfristiger Handlungsbedarf) belaufen sich auf geschätzte 33,6 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich um 12% der Abwasserkanäle, deren Zustand so kritisch ist, dass sofortige Maßnahmen erforderlich sind. Im gesamten Abwassernetz fallen sogar rund 37% in die Schadensklassen 0 bis 2. Für die umfassende Sanierung der Kanäle werden insgesamt 52,4 Millionen Euro benötigt, um sie wieder in einen tragfähigen Zustand zu bringen, wie die Schwäbische Post berichtet.
Die Sicht der Stadträte
In der Sitzung wurden mehrere Bedenken geäußert. Thomas Wagenblast von der CDU betonte, dass bisherige Versäumnisse bei den Sanierungen nicht unbemerkt bleiben sollten. Michael Fleischer von den Grünen warnte vor möglichen größeren Schäden, die das Problem weiter verschärfen könnten. Auch Fragen zum Zusammenhang zwischen den maroden Kanälen und einem möglichen Rattenbefall wurden aufgeworfen. Während die Vertreter der Freien Wähler, Claus Albrecht und Bernd Sontheimer, auf finanzielle Aspekte drängten, stellte Brütting klar, dass eine Gebührenerhöhung vielleicht notwendig sein wird, um zukünftige Investitionen zu sichern.
Die Stadt hat bereits Maßnahmen ergriffen: Im Jahr 2023 wurden im Bereich Ebnat/Waldhausen etwa 13,5 Kilometer Kanal grabenlos saniert. Diese Arbeiten schlugen mit rund 2,9 Millionen Euro zu Buche. Auch im Jahr 2024 begann die Sanierung im Gebiet Wasseralfingen-Ost, wo 1,9 Kilometer für insgesamt 400.000 Euro saniert wurden. In den kommenden Jahren sind weitere Sanierungsarbeiten in Wasseralfingen-Ost und Aalen-Mitte für 2026 geplant.
Kosten und Verfahren der Kanalsanierung
Aber wie sieht es eigentlich aus, wenn es um die Kosten und Verfahren der Kanalsanierung geht? Bei der Sanierung von Abwasserleitungen spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Das Material der Rohre, der Durchmesser und das Ausmaß der Schäden sind entscheidend für die Kosten. Doch nicht nur das – auch die Zugänglichkeit der Leitungen und der Boden spielen eine wesentliche Rolle. Gut zugängliche Rohre in sandigen Böden sind günstiger zu sanieren als solche, die in schwer bearbeitbarem Gelände liegen. Am häufigsten kommen die Verfahren zur Anwendung:
- Inliner-Verfahren: 70–120 €/lfm, abhängig vom Rohrdurchmesser und der Zugänglichkeit.
- Partielle Reparatur: ab 200 € pro Schadstelle, je nach Lage und Material.
- Offene Bauweise: 150–300 €/lfm zusätzlich zu Erdarbeiten.
- Kurzliner-/Patch-Verfahren: 50–80 €/lfm, abhängig vom Aufwand.
Doch frühzeitiges Handeln spart bares Geld. Wie die ECCURO zeigt, können rechtzeitige Inspektionen durch Kameratechnik helfen, Schäden frühzeitig zu erkennen und damit auch die Kosten zu minimieren.
In Anbetracht der massiven finanziellen Belastungen und der drohenden Gebührenerhöhungen bleibt nur zu hoffen, dass die Stadt Aalen die Herausforderungen erfolgreich bewältigen kann. Ein intaktes Abwassersystem ist nicht nur für die öffentliche Gesundheit wichtig, sondern sichert auch den Werterhalt der Immobilien in der Region. Zahlreiche Fördermittel und steuerliche Vorteile sind vorhanden, um die Sanierungskosten zu decken und somit die Bürger zu entlasten.
Wenn man sagt, dass ein gutes Netz die Basis jeder Stadt ist, dann ist Aalen hier gefordert, dringend zu handeln.