Vollmer in Biberach: 15% Stellenabbau trotz hoher Mitarbeiterbedenken
Vollmer in Biberach kündigt 15 Prozent Stellenabbau an, betroffen sind 580 Mitarbeiter. Gründe sind schwache Weltkonjunktur und Wandel in der Automobilindustrie.

Vollmer in Biberach: 15% Stellenabbau trotz hoher Mitarbeiterbedenken
In Biberach sorgt die Entscheidung von Vollmer, rund 15 Prozent seiner Stellen abzubauen, für große Besorgnis unter den Mitarbeitern. Die Geschäftsführung gab diesen schmerzhaften Schritt in einer Pressemitteilung am Dienstagmorgen bekannt. Aktuell beschäftigt Vollmer etwa 580 Mitarbeiter am Hauptsitz, und die Sparmaßnahmen betreffen insgesamt rund 87 Stellen. Der Wegfall dieser Arbeitsplätze ist nicht nur eine Reaktion auf die schwache Weltkonjunktur, sondern auch auf die anhaltende Investitionszurückhaltung und die drastischen Veränderungen in der Automobilindustrie. Zudem erschweren die Handelsbedingungen das Geschäft zunehmend, was die Neuausrichtung der Organisation unumgänglich macht, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig abzusichern.
Die Entscheidung, Stellen abzubauen, ist der letzte in einer Reihe von Einschnitten, die Vollmer seit 2019 erlebt hat. Damals hatte das Unternehmen große Pläne für ein neues Werk, doch das Projekt wurde 2023 aufgrund steigender Kosten, die auf rund 150 Millionen Euro geschätzt werden, abgebrochen. Auch massive Auftragsrückgänge seit 2019, bedingt durch den Brexit, die Corona-Pandemie und den Ukrainekrieg, haben die Situation verschärft. Dies wird von einer Umfrage unter den Mitarbeitern bestätigt: 72 Prozent machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, 60 Prozent befürchten langfristige Schäden durch den Stellenabbau. Ein Hoffnungsschimmer ist die Bereitschaft von 91 Prozent der Mitarbeiter, aktiv für ihre Zukunft zu kämpfen.
Ein sozialverträglicher Prozess im Fokus
Trotz der schwierigen Umstände betont die Unternehmensführung, dass der Stellenabbau fair und sozialverträglich durchgeführt werden soll. Die Gespräche mit dem Betriebsrat sollen eine zentrale Rolle spielen, um die betroffenen Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie der Prozess konkret gestaltet wird und welche Hilfen den Mitarbeitern zum Tragen kommen.
Ein weiteres Merkmal der aktuellen Lage ist die Angespannte Situation im Maschinenbau allgemein. Diese Branche ist für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung, kämpft aber gegen hohe Kosten und Bürokratie. Das führt nicht nur bei Vollmer, sondern vielen anderen Unternehmen in der Branche zu Umsatzschwund und damit verbundenen Stellenabbauten. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet für 2024 ein Produktionsminus von 8 Prozent und sieht die Kapazitätsauslastung vieler Betriebe unter 80 Prozent, was die Branche weiter unter Druck setzt. 61 Prozent der Unternehmen in diesem Bereich rechnen mit weiteren Jobverlusten innerhalb des nächsten Jahres, was die Zukunft ungewiss macht.
Zudem kritisieren Experten und Geschäftsführende die hohen Produktionskosten und Abgaben in Deutschland. Patrick Clemens, ein Geschäftsführer aus der Maschinenbaubranche, berichtet von einem Umsatzrückgang von 20 Prozent im Jahr 2024 und von Kurzarbeiterregelungen, die in seinem Betrieb bereits zum Einsatz kommen. Auch hier ist jedoch ein Lichtblick zu sehen: Clemens plant, in neue Märkte im Ausland, wie etwa in die Türkei, zu expandieren, um die Einbußen etwas abzufedern.
Diese Entwicklungen zeigen, wie sehr der Maschinenbau in Deutschland aktuell unter Druck steht, und sie verdeutlichen die Herausforderungen, mit denen die Arbeitswelt in den kommenden Monaten konfrontiert sein wird. Die Mitarbeiter von Vollmer und vielen anderen Unternehmen dürfen ihr Engagement in den nächsten Wochen nicht verlieren. Vor allem die Hoffnung auf eine zukunftsfähige Strategie zur Arbeitsplatzsicherung bleibt bestehen.